SKKAB

Schweizerische Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen

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«Lernende werden optimal auf die künftige Arbeitswelt vorbereitet»

Tribüne: Auf Lehrbeginn 2023 tritt die reformierte kaufmännische Grundbildung in Kraft. Was das für die Berufsfachschulen bedeutet, erklärt Peter Kaeser. Er ist Direktor der grössten kaufmännischen Berufsfachschule im Kanton Bern, der WKS KV Bildung.

Warum wird die kaufmännische Grundbildung reformiert?
Jede Berufslehre wird alle fünf Jahre darauf hin überprüft, ob sie den Anforderungen des Arbeitsmarkts noch entspricht. Der Reform der kaufmännischen Grundbildung ging eine umfassende Berufsfeldanalyse voraus. Die Lehrbetriebe wurden gefragt, über welche Kompetenzen Kaufleute in Zukunft verfügen müssen. Die zentrale Erkenntnis: Die Lernenden müssen besser auf den beschleunigten Arbeitsalltag vorbereitet werden und brauchen mehr digitale Kompetenzen.

Die neue kaufmännische Grundbildung orientiert sich an sogenannten Handlungskompetenzen. Was ist darunter zu verstehen?
Die Idee ist, dass der Praxisbezug an allen drei Lernorten – Lehrbetrieb, Berufsfachschule, überbetriebliche Kurse – gestärkt und besser koordiniert wird. Auch die Lernortskooperation wird so gestärkt. Die Wissensvermittlung soll wo immer möglich und sinnvoll mit dem Berufsalltag der Lernenden verknüpft werden, die Anwendungsorientierung steht im Vordergrund, der Aufbau eines soliden Grundlagenwissen ist die Basis dazu. Die Orientierung an Handlungskompetenzen ist heute in allen Lehrberufen Standard. Die Kaufleute ziehen als Letzte nach.

Konkret: Wie wird an der Berufsfachschule künftig unterrichtet?
Es gibt verschiedene Handlungskompetenzbereiche, die für alle drei Lernorte identisch sind. Einer heisst «Gestalten von Kunden- und Lieferantenbeziehungen». Dort lernen die angehenden Kaufleute beispielsweise, wie man in einer Konfliktsituation richtig reagiert, – also wie man mit einem Kunden am Telefon spricht oder wie man eine E-Mail-Reklamation adäquat beantwortet. Im Rahmen solcher Situationen wird vernetzt gelernt. Fachwissen, Sprachkompetenz, Psychologie – alles kommt zusammen.

Das Konzept sieht vor, dass es an den Berufsfachschulen keine klassischen Fächer mehr gibt – also beispielsweise Deutsch. Skeptiker monieren, dass so zu wenig Grundlagenwissen vermittelt werde. Wann befassen sich die Lernenden mit Grammatik?
Grundlagenwissen wird auch in Zukunft unterrichtet – im klassischen Stil. Die Lernenden setzen sich mit Kommaregeln, Textformen, Stil usw. auseinander. Sie verbessern ihre Sprachkompetenz aber vermehrt in praxisnahen Aufgabenstellungen. Wer eine Reklamation beantworten will, muss klar formulieren und korrekt schreiben können.

Das Niveau der KV-Ausbildung bleibt also erhalten?
Absolut. Der Paradigmenwechsel besteht darin, dass es im Qualifikationsverfahren anstelle von Wissenstests anwendungsorientierte Tests geben wird – genau wie in allen anderen Berufen auch. Die Lernenden müssen sich in berufsrelevanten Situationen beweisen, – also zeigen, dass sie über alle notwendigen Kompetenzen verfügen, um in der Praxis adäquat handeln zu können. Ohne Fachwissen geht das nicht. Deshalb machen wir in diesem Bereich keine Abstriche.

Neu sollen alle Lernenden in zwei Fremdsprachen «praxisnahe» Kompetenzen erwerben. Was heisst das?
Bisher hatte ein kleinerer Teil der Lernenden nur eine Fremdsprache. Neu sollen alle zwei haben. In der ersten Fremdsprache wird dasselbe Niveau wie bisher angestrebt. Bei der zweiten Fremdsprache haben die Lernenden die Wahl, ob sie diese «klassisch» oder «anwendungsorientiert» erlernen wollen. Bei der ersten Option gilt derselbe Anspruch wie bisher, bei der zweiten liegt der Fokus auf der mündlichen Kommunikation und der interkulturellen Kompetenz. Die Lernenden werden primär befähigt, in sprachgemischten Teams zu agieren.

Hat die Reform Auswirkungen auf die Berufsmaturität?
Nein. Es ist weiterhin möglich, die integrierte Berufsmaturität (BM1) zu machen – also in Spezialklassen die berufliche Grundbildung und die Berufsmaturität parallel zu absolvieren. Die Abgrenzung zwischen EFZ- und BM-Unterricht wird neu strukturiert. Auch die Schnittstelle zur nachgelagerten Berufsmaturität (BM2) ist sichergestellt.

Die Gretchenfrage zum Schluss: Was bringt die Reform den Lernenden?
Sie werden optimal auf die künftige Arbeitswelt vorbereitet. Sie lernen, prozessbezogen, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten und werden befähigt, mit den rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt umzugehen. Stichwort: lebenslanges Lernen. Schliesslich werden sie besser auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Das eröffnet ihnen neue Anschlussmöglichkeiten im IT-Bereich.

Interview: Rolf Marti
Erstpublikation im «Einsteiger» (Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Bern

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